Dampf im Emsland 1973 bis 1977

Dampf im Emsland 1973 bis 1977

Im zarten Alter von 14 Jahren wurden mein Eisenbahnfreund Martin und ich vor eine erste ernste Gewissensfrage gestellt: Auf einem der Wege zur Eisenbahnbeobachtung im Hagener Hauptbahnhof fanden wir wie vom Winde verweht ein paar DM-Scheine. Kein Portemonnaie, dem Hinweise auf den Besitzer hätten entnommen werden können, kein extrem hoher Gesamtbetrag, lose lagen zwei oder drei Scheine auf dem Boden herum.

Zu verlockend war die Aussicht sich endlich eine Zugfahrt zum Dampflokmekka Rheine erlauben zu können. Denn der Preis von DM 26,00 für eine Rückfahrkarte sprengte bei weitem unser Taschengeldbudget.

Die Entscheidung war gefallen und da es sich um die erste „Fernfahrt“ mit weit über 100 km handelte, mussten entsprechende Vorbereitungen getroffen werden. Für Verpflegung musste gesorgt werden. Schnitzel wurden gebraten und eine Thermoskanne mit heißem Tee gefüllt.

Außerdem wurde der Fahrtablauf geplant. Wir entschieden uns für den D 731 um 07:11 h ab Hagen Hbf, der außerhalb der Sommerferiensaison leider nur bis Münster fuhr. Ab Münster ging es dann weiter mit dem E 1935.

Am Morgen des 14. 03.1973 wurde dann in der Fahrkartenausgabe eine Fahrkarte gekauft. Damals wurde diese als Edmondsonschen Fahrkarte, auf Pappe gedruckt, hergestellt.

Details zur Tarifberechnung, räumlicher Gültigkeit und Entwertung können den Scans aus folgender Galerie entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:
Soweit mein Ausflug in die analoge Fahrpreisgestaltung und Berechnung.

Direkt nach der Ankunft in Rheine musste ein Bestätigungsanruf an Martins Eltern erfolgen. (Wir hatten damals noch kein Telefon.). Mangels schnurloser Hardware wurde eine Telefonzelle auf dem Bahnhofsvorplatz am Bahnhof in Rheine aufgesucht und unter Verwendung des mitgebrachten Münzvorrats die Bestätigung der erfolgreichen Ankunft über den Münzfernsprecher (Kartentelefon gab es auch noch nicht) durchgeführt.

Die Attraktivität von Rheine und der Emslandstrecke mit dem letzten dampfgeführten Schnellzugverkehr bei der DB war international bekannt. Nach unserem Telefonat wurden wir von einem asiatisch aussehenden Eisenbahnfreund angesprochen: „Can you tell me the way to the Bahnbetrrriebswörk?“ Wir waren vorbereitet und hatten uns vor der Tour über den örtlichen Buchhandel in Hagen einen gedruckten Stadtplan von Rheine bestellt. So konnten wir nun unser Wissen über den nicht ganz knappen Weg vom Bahnhof Rheine zum Bw in Richtung Hauenhorst weitergeben.

Ausgerüstet mit einer einfachen Kassettenknipse  wurden ein paar Fotos gemacht, die nach heutigen Vorstellungen qualitativ grottenschlecht waren. Nun ja, wir waren jung und hatten kein Geld.


Nach der Anmeldung bei der Lokleitung haben wir dann im Bw die Dampfrösser bestaunt.


Fotografiert wurden damals eigentlich nur Freunde und Verwandte. Deshalb steht mein Eisenbahnfreund Martin ganz zufällig vor 011 062-7.


Dann ging es richtig los und hier wurde der entzückende Rücken von 044 618-7 vom Bw Emden am 14.03.1973 um 12:25 h verewigt.

Auf der am Bw vorbeiführenden Strecke in Richtung Steinfurt zog 043 672-5 ihren Güterzug im Wettlauf mit einem gelben VW-Käfer.

Die Fotoausbeute dieser ersten echten Eisenbahntour war weder besonders groß noch qualitativ besonders gut.

Und dann ging es weiter. Die Touren im Januar und April 1975 wurden noch per Bahnanreise durchgeführt. Die Fotomotive beschränken sich deshalb in Rheine auf den Bahnhof, das Bw und deren nähere Umgebung. Später ermöglichte mir mein eisenbahnbegeisterter Erdkundelehrer Mitfahrten in seinem PKW und somit neben den obligatorischen Bw Besuchen auch Aufnahmen an der Emslandstrecke.

13. Januar 1975:
Aufnahmedetails können aus folgender Bildergalerie entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:
08. April 1975:
Aufnahmedetails können aus folgenden Bildergalerien entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:
Von der Nordsee an den Bodensee

Im Jahr 1975 gab es noch Kurswagenverbindungen mit Zügen auf heute sehr ausgefallenen Routen. Hier ist das Zuglaufschild eines Kurswagens des D 715 zu sehen. 

Norddeich-Münster-Dortmund-Hagen-Hüttental-Weidenau-Gießen-Frankfurt(M)-Heidelberg-Stuttgart-Ulm-Friedrichshafen

In der Gegenrichtung mit D 714, der ebenfalls über die Ruhr-Sieg Strecke fuhr, wurde bereits damals Hagen umfahren. Genau wie jetzt für die neue IC-Linie über die Ruhr-Sieg Strecke geplant. Mit dem Unterschied, dass es nach Hagen ab Letmathe einen Kurswagen gab. 

Tourenplanung


Wo wann sein? Aktuelle Online- Fahrpläne gab es damals noch nicht. Deshalb mussten gedruckte Aufstellungen wie „Dampfgeführte Reisezüge“ oder aktuelle Meldungen aus den Eisenbahnzeitschriften ausgewertet werden.


Dies ist der Notizzettel für die Tour am 29.05.1975. Bilder von der 103 habe ich an dem Tag nicht gemacht.


Der 29.05.1975 war ein Donnerstag. Wir in Nordrhein-Westfalen brauchten an diesem Tag nicht die Schule schwänzen. Es war Feiertag – Fronleichnam. Hinter Rheine in Richtung Norden war normaler Arbeitstag in Niedersachsen.









29. Mai 1975:
Aufnahmedetails können aus folgender Bildergalerie entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:
An diesem Tag ging es nach einem kurzen Abstecher in das Bw Rheine an die Strecke in Richtung Lingen. Ich verdanke diese Tour meinem Erdkundelehrer und seinem Auto.

15. April 1976:
Aufnahmedetails können aus folgender Bildergalerie entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:

Im Bw Emden stehen 043 903-4 und 221 144-9 am 04. Januar1977  noch einträchtig nebeneinander.


Lok 043 903-4 fuhr am 26.10.1977 den letzten Dampfzug (Bauzug 81354) der Deutschen Bundesbahn von Oldersum nach Emden; am 06.12.1981 Aufstellung als Denkmal am Hauptbahnhof Emden.


Lok 221 144-9 wurde schon vor Jahren fern der Heimat zerlegt.


(Quelle revisionsdaten.de)


Das Ende des Dampfbetriebes im Oktober 1977 rückte immer näher. Es begann die Zeit der Abschiedsfahrten.
Am 13. und 20. März 1977 fanden daher Sonderfahrten von Hannover – Bremen – Leer – Rheine – Osnabrück – Hannover statt.

Aufnahmedetails können aus folgender Bildergalerie entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:

Götterdämmerung


Der Schuppen im Bw Emden ist noch gut mit Dampfrössern gefüllt.


Am 30. April 1977 ruhen sich 043 326-8 und ein paar Schwestermaschinen im Ringlokschuppen des Bw Emden aus.


Unsere Loks gewöhnen sich das Rauchen ab


Ein bekannter Werbeslogan der Deutschen Bundesbahn zu Zeiten des Wandels von Dampf auf Strom und Diesel.


Diese Hinweisschilder, wie z. B. „Qualmen verboten“, waren früher zur Ermahnung für den Meister in Einfahrten zu größeren Bahnhöfen speziell mit Bahnhofshallen etc. angebracht.


Hier setzt sich 043 681-6 am 30.04.1977 im Bw Emden unter ganz geringem Entweichen von Dampf in Bewegung.


Halbstarke


Keine ernstzunehmende Dieselkonkurrenz für die großen Dampfer im Bw Rheine war wohl diese niedliche Kleinlok, aufgenommen am 04. Juli 1977.


Abschied

Die Zeit für Dampfsonderfahrten wurde knapp und am 10. und 11. September 1977 gab es nochmal ein großes Dampfspektakel. Züge aus den Niederlanden mit 023 und auf der Emslandstrecke mit 042 und 043 wurden gefahren.

Aufnahmedetails können aus folgender Bildergalerie entnommen werden. Einfach anklicken und durchscrollen:
23. Oktober 1977: 
Letzte Dampf-Sonderzugfahrt über die gesamte Emslandstrecke:

Feierabend


043 196-5 zieht hier bei Doerpen am 23.10.1977 den letzten Dampfsonderzug, der über die gesamte Emslandstrecke lief.


Drei Tage später fuhren die letzten mit Dampflok bespannten Züge bei der DB.


Am 27. Oktober 1977 00:00 h trat das für Strecken der Deutschen Bundesbahn verhängte Dampflokverbot in Kraft. Für Eisenbahnfreunde gab es Dampfsonderfahrten dann für lange Zeit nur noch auf Privatbahngleisen wie z. B. der Westfälischen Landeseisenbahn.


Danach war erst mal Schluss mit dem Dampfbetrieb. Trotzdem gab es noch ein paar wehmütige Erinnerungstouren.
Alter Strom

Wenn schon am 26. August 1978 keine Dampfer mehr in Rheine fuhren, dann gab es wenigstens die Möglichkeit, die Altbau-Elok 104 019-5 mit einer Garnitur Silberlinge im Bahnhof abzulichten.
Keine Kuppelei

Auf der Emslandstrecke und in Richtung Norddeich hängt der Fahrdraht und erlaubt eine Fahrt ohne Umspannen. Hier steht 110 508-9 am nebeligen 01. Februar 1981 mit einem Schnellzug im Hafenbahnhof Norddeich Mole.
Lange Schnellzüge, besonders in den Sommermonaten. Schwere Erz- und Kohlenzüge aus dem Hafen Emden in Richtung Süden. Neben dem üblichen Personennah- und Güterverkehr wurden hier die Züge bis zum Ende des regulären Dampfbetriebes bei der Deutschen Bundesbahn mit den berühmten Dampflokbaureihen 01.10, 41 und 44 bespannt. Das Bw Rheine als Heimat der meisten eingesetzten Maschinen war Pilgerstätte für Eisenbahnfreunde aus dem In- und Ausland. 

Zum Glück können Dampfer heute wenigstens vor Sonderzügen auf den Strecken in Deutschland bewundert werden.
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